Cvida Studien · Datenerhebung: 2026
Gehalt in Stellenanzeigen: Wie oft Europa den Lohn nennt
Wie viele öffentliche Stellenanzeigen das Gehalt nennen, Land für Land – gemessen an 6.782 Stellenangeboten aus dem Jobportal der EU.
Die wichtigsten Ergebnisse
- 45 %
- der öffentlichen Stellenanzeigen nennen das Gehalt – im Durchschnitt über 24 europäische LänderJedes Land zählt einmal, unabhängig von der Zahl seiner Stellenangebote.
- 90 % vs. 36 %
- dort, wo das Gesetz die Gehaltsangabe in der Stellenanzeige vorschreibt, gegenüber allen anderen LändernLänder mit dieser Pflicht: Lettland, Österreich, Slowakei und Italien.
- 12 von 24
- Ländern, in denen mindestens die Hälfte der Anzeigen das Gehalt nenntIn 10 Ländern tut das nicht einmal jede vierte Anzeige.
- ≤ 9 %
- der öffentlichen Stellenanzeigen nennen das Gehalt in Schweden, Dänemark und NorwegenDas gehört zu den niedrigsten gemessenen Anteilen – trotz des Rufs der nordischen Länder, besonders offen zu sein.
Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie soll Schluss mit dem Rätselraten machen: Bewerber sollen das Gehalt vor dem Vorstellungsgespräch erfahren, nicht erst mit dem Angebot. Die meisten Länder haben sie noch nicht in nationales Recht umgesetzt, deshalb haben wir gemessen, wo Europa heute steht. Aus den offenen Stellenanzeigen auf EURES, dem Jobportal der EU, haben wir für 24 Länder eine Zufallsstichprobe gezogen und jede Anzeige auf eine Gehaltsangabe geprüft. Das Ergebnis hängt weit mehr vom Land ab als vom Beruf: In manchen Ländern nennt fast jede Anzeige das Gehalt, in anderen kaum eine.
Methodik
- Quelle
- EURES, das Portal der Europäischen Kommission für berufliche Mobilität, das die Stellenangebote der nationalen öffentlichen Arbeitsverwaltungen und ihrer Partner-Jobbörsen veröffentlicht
- Stichprobe
- 6.782 Stellenanzeigen aus 24 Ländern: bis zu 300 je Land, zufällig gezogen aus den am Erhebungstag offenen Stellenangeboten
- Erhoben
- 2026
- Gilt als Gehaltsangabe
- Ein konkreter Betrag oder eine Spanne des Grundgehalts, im Anzeigentext oder im Gehaltsfeld des Portals. Formulierungen wie „attraktives Gehalt“ zählen nicht, ebenso wenig Prämien, Essensgutscheine oder Zulagen für sich allein.
- Nicht erfasst
- Vereinigtes Königreich, Island, Litauen, Rumänien, Bulgarien und Serbien
- Genauigkeitsprüfung
- 234 Anzeigen, getrennt von denen gezogen, mit denen der Klassifikator entwickelt wurde, haben wir von Hand gelesen und eingeordnet: Die automatische Klassifizierung stimmte bei 97 % von ihnen überein. Die meisten Abweichungen waren übersehene Beträge; die Anteile sind daher eher etwas zu niedrig als zu hoch.
Es handelt sich um öffentliche Stellenanzeigen, nicht um den gesamten Arbeitsmarkt. EURES enthält, was die nationalen Arbeitsverwaltungen und ihre Partnerbörsen übermitteln; LinkedIn und private nationale Jobportale sind nicht enthalten. Die Anteile beschreiben die Anzeigen, die Jobsuchende im öffentlichen System finden.
Das Formular ist ebenso wichtig wie der Arbeitgeber. Mehrere Arbeitsverwaltungen fragen das Gehalt in einem eigenen Feld ab, wenn ein Arbeitgeber eine Stelle meldet, und EURES zeigt dieses Feld in der Anzeige an. Fehlt ein solches Feld, erscheint das Gehalt nur, wenn der Arbeitgeber es in den Text schreibt. Ein Teil der Unterschiede zwischen den Ländern geht auf diese unterschiedlichen Formulare zurück.
Hat ein Land mehr als 10.000 offene Stellenangebote, stammt die Stichprobe aus den 10.000 neuesten – so weit reicht eine Suche im Portal. Identische Anzeigen desselben Arbeitgebers mit demselben Stellentitel wurden nur einmal gezählt.
Bei bis zu 300 Anzeigen je Land ist jeder Anteil auf wenige Prozentpunkte genau. Die Tabelle nennt für jedes Land das 95-%-Konfidenzintervall; wo sich zwei Intervalle überschneiden, ist der Unterschied zwischen diesen Ländern nicht aussagekräftig.
Das Gehaltsfeld wird so angezeigt, wie die Arbeitsverwaltung es ausgefüllt hat. Einige kroatische Anzeigen nennen zum Beispiel Beträge in Kuna, einer Währung, die Kroatien 2023 durch den Euro ersetzt hat. Wir zählen, was Bewerbern angezeigt wird, und korrigieren die Beträge nicht.
Rumänien und Bulgarien fehlen, weil ihre Arbeitsverwaltungen Anzeigen ohne oder mit kaum Text und ohne Gehaltsfeld an EURES übermitteln; es gibt also nichts zu messen, und 0 % würden dort die Datenlieferung beschreiben, nicht die Arbeitgeber. Litauen und Island hatten weniger als 200 offene Stellenangebote. Das Vereinigte Königreich und Serbien gehören nicht zu EURES.
Die Rechtslage der einzelnen Länder stammt aus unserer Studie zu Lebenslauf-Regeln in Europa und wurde 2026 anhand amtlicher Quellen geprüft.
Wo öffentliche Stellenanzeigen das Gehalt nennen
Europa ist deutlich gespalten. In Polen (100 %), Lettland (100 %), Tschechien (100 %), der Slowakei (99 %) und Österreich (99 %) nennt fast jede öffentliche Stellenanzeige das Gehalt. In Ungarn (0 %), Luxemburg (1 %), der Schweiz (1 %) und Schweden (2 %) tut das kaum eine.
Die großen westeuropäischen Arbeitsmärkte liegen dazwischen: Frankreich bei 75 %, Deutschland und die Niederlande bei 59 % und 58 %, Irland bei 57 %. Spanien kommt auf 14 %, Belgien auf 34 %.
Anteil der öffentlichen Stellenanzeigen mit Gehaltsangabe
Zufallsstichprobe offener Stellenangebote auf EURES, bis zu 300 je Land
Daten anzeigen
| Land | Anzeigen mit Gehaltsangabe |
|---|---|
| Lettland | 100% |
| Polen | 100% |
| Tschechien | 100% |
| Österreich | 99% |
| Slowakei | 99% |
| Portugal | 93% |
| Frankreich | 75% |
| Italien | 62% |
| Deutschland | 59% |
| Niederlande | 58% |
| Irland | 57% |
| Estland | 56% |
| Belgien | 34% |
| Finnland | 25% |
| Spanien | 14% |
| Norwegen | 9% |
| Dänemark | 9% |
| Slowenien | 8% |
| Griechenland | 8% |
| Kroatien | 5% |
| Schweden | 2% |
| Schweiz | 1% |
| Luxemburg | 1% |
| Ungarn | 0% |
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Macht eine gesetzliche Pflicht einen Unterschied?
Vier der untersuchten Länder verpflichten Arbeitgeber bereits, das Gehalt in der Stellenanzeige anzugeben: Lettland, Österreich, Slowakei und Italien. Österreich tut das seit 2011, die Slowakei und Lettland seit 2018. Im Durchschnitt nennen dort 90 % der öffentlichen Anzeigen das Gehalt, in den übrigen 20 Ländern 36 %.
Das Gesetz erklärt aber nicht alles. Polen (100 %) und Tschechien (100 %) kommen ohne eine solche Regel genauso weit, weil ihre Arbeitsverwaltungen das Gehalt abfragen, wenn ein Arbeitgeber eine Stelle meldet. Italien, wo die Pflicht erst seit Juni 2026 gilt, liegt bei 62 %; etwa ein Drittel der italienischen Anzeigen ohne Betrag verweist stattdessen auf den Tarifvertrag.
Österreich zeigt, wie eine konsequent durchgesetzte Regel aussieht. Das Gesetz verlangt in jeder Anzeige das kollektivvertragliche Mindestentgelt, und 99 % der österreichischen Anzeigen nennen es, meist in der Form „mindestens € … brutto pro Monat, Bereitschaft zur Überzahlung“.
Gehalt in der Stellenanzeige: mit und ohne gesetzliche Pflicht
Durchschnitt der Länderanteile
Daten anzeigen
| Länder | Anzeigen mit Gehaltsangabe |
|---|---|
| Gehaltsangabe gesetzlich vorgeschrieben (4) | 90% |
| Keine solche Pflicht (20) | 36% |
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Alle Länder, von den offensten bis zu den verschlossensten
Hervorgehoben sind die Länder, in denen das Gesetz die Gehaltsangabe in der Stellenanzeige vorschreibt.
Öffentliche Stellenanzeigen mit Gehaltsangabe nach Ländern
Hervorgehoben: Gehaltsangabe in der Stellenanzeige gesetzlich vorgeschrieben
Daten anzeigen
| Land | Anzeigen mit Gehaltsangabe |
|---|---|
| Lettland | 100% |
| Polen | 100% |
| Tschechien | 100% |
| Österreich | 99% |
| Slowakei | 99% |
| Portugal | 93% |
| Frankreich | 75% |
| Italien | 62% |
| Deutschland | 59% |
| Niederlande | 58% |
| Irland | 57% |
| Estland | 56% |
| Belgien | 34% |
| Finnland | 25% |
| Spanien | 14% |
| Norwegen | 9% |
| Dänemark | 9% |
| Slowenien | 8% |
| Griechenland | 8% |
| Kroatien | 5% |
| Schweden | 2% |
| Schweiz | 1% |
| Luxemburg | 1% |
| Ungarn | 0% |
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Alle Zahlen im Überblick
Anteil der Anzeigen mit Gehaltsangabe samt 95-%-Konfidenzintervall, der Anteil dieser Anzeigen, die eine Spanne statt eines einzelnen Betrags nennen, die Zahl der ausgewerteten Anzeigen und was das Gesetz vorschreibt.
| Land | Mit Gehalt | 95-%-Intervall | Davon Spanne | Anzeigen | Rechtslage |
|---|---|---|---|---|---|
| Lettland | 100% | 99–100% | 99% | 300 | Pflicht in der Stellenanzeige |
| Polen | 100% | 99–100% | 31% | 300 | Pflicht vor dem Vorstellungsgespräch |
| Tschechien | 100% | 98–100% | 4% | 300 | Keine Pflicht |
| Österreich | 99% | 97–100% | 8% | 300 | Pflicht in der Stellenanzeige |
| Slowakei | 99% | 97–100% | 1% | 300 | Pflicht in der Stellenanzeige |
| Portugal | 93% | 87–96% | 1% | 151 | Keine Pflicht |
| Frankreich | 75% | 70–79% | 61% | 300 | Keine Pflicht |
| Italien | 62% | 53–70% | 17% | 122 | Pflicht in der Stellenanzeige |
| Deutschland | 59% | 53–64% | 53% | 300 | Keine Pflicht |
| Niederlande | 58% | 52–63% | 30% | 300 | Keine Pflicht |
| Irland | 57% | 51–62% | 18% | 300 | Keine Pflicht |
| Estland | 56% | 50–61% | 71% | 300 | Pflicht vor dem Vorstellungsgespräch |
| Belgien | 34% | 29–40% | 61% | 300 | Keine Pflicht |
| Finnland | 25% | 20–30% | 65% | 300 | Keine Pflicht |
| Spanien | 14% | 10–18% | 61% | 300 | Keine Pflicht |
| Norwegen | 9% | 6–13% | 41% | 300 | — |
| Dänemark | 9% | 6–12% | 31% | 300 | Keine Pflicht |
| Slowenien | 8% | 6–12% | 0% | 300 | Keine Pflicht |
| Griechenland | 8% | 5–12% | 44% | 209 | Ab November 2026 |
| Kroatien | 5% | 3–8% | 13% | 300 | Keine Pflicht |
| Schweden | 2% | 1–4% | 67% | 300 | Keine Pflicht |
| Schweiz | 1% | 0–3% | 0% | 300 | Keine Pflicht |
| Luxemburg | 1% | 0–2% | 50% | 300 | Keine Pflicht |
| Ungarn | 0% | 0–1% | — | 300 | Keine Pflicht |
Was das für Ihre Bewerbung bedeutet
Wo die meisten Anzeigen das Gehalt nennen, sollten Sie das nutzen: Sie können Angebote schon vor der Bewerbung vergleichen und mit einer klaren Zahl ins Vorstellungsgespräch gehen. Wo das nicht der Fall ist, gibt Ihnen die EU-Richtlinie bald das Recht, die Gehaltsspanne vor dem Vorstellungsgespräch zu erfahren – in Estland, Italien, Lettland, Litauen, Österreich, Polen und der Slowakei haben Sie dieses Recht bereits.
- Nennt die Anzeige eine Spanne, orientieren Sie Ihre Erwartungen an der oberen Hälfte; das untere Ende ist meist das Einstiegsgehalt.
- Nennt die Anzeige nur ein tarifliches Mindestentgelt, betrachten Sie es als Untergrenze, nicht als das eigentliche Angebot.
- Nennt die Anzeige gar nichts, ist es legitim, vor einem zweiten Gespräch nach der Spanne zu fragen. Nach der Richtlinie dürfen Arbeitgeber Sie nicht mehr fragen, was Sie derzeit verdienen.
So zitieren Sie diese Studie
Cvida (2026). Gehalt in Stellenanzeigen: 24 europäische Länder im Vergleich. Cvida Studien, Datenerhebung: 2026. https://cvida.io/de/studies/salary-transparency-in-job-ads